Mammographie

Fallbeispiel Isabelle B

Fallbeispiel Isabelle B

Digitale Stereotaxie, durchgeführt im Mai 2005
Doctor André Crevecoeur
Centre de Sénologie
Abteilung für digitale Mammographie
20 Boulevard Piercot – 4000 Liège - Belgien

Einleitung

Patientinnenblatt

Alter 51 Jahre
Familiensituation 2 Kinder
Persönliche Vorgeschichte Keine
Familiäre Vorgeschichte Keine
Genetische Tests Keine, da keine Vorgeschichte
HRT (Hormonersatztherapie nein, Pessar
Datum der letzten Mammographie 2003


Klinikgeschichte

Diese Patientin wurde kürzlich einer Untersuchung der Brust unterzogen, aufgrund einer gelblichen Absonderung aus der Brustwarze. Es wurde das Bestehen einer kleinen aspezifischen Läsion vermutet, wobei die Punktion keine Zellen hervorbrachte. Erstaunlicherweise wurde zu diesem Zeitpunkt die Ausführung einer MRT und eventuell einer Galaktographie vorgeschlagen.
Die MRT-Untersuchung ergab das Bestehen eines atypischen langachsigen Knotens von 5 mm, ohne genauere Angaben und folglich ohne formellen Verdacht. Doktor X, der die Untersuchung durchführt hatte, empfahl entweder eine chirurgische Biopsie, wenn die zytologische Analyse zweifelhaft ist, oder eine weitere Untersuchung in 6 Monaten, wenn die Punktion negativ ist.

Zweite Meinungsanfrage an Doktor Crevecoeur.


Klinische Untersuchung

Die Brüste sind geschmeidig, symmetrisch entwickelt, ohne eindeutig identifizierte verdächtige Induration. Das Drücken der linken Brust bewirkt dagegen eine offensichtlich gelbe seröse Absonderung, hauptsächlich aus einem einzelnen Ductus, leicht wiederholbar.


Fallbeispiel Isabelle B

Mammographie

Mammographie

Lokalisation: Oberer interner Quadrant Bildaufnahmemodus: AOP (Automatikmodus)
Keine tegumentale Modifikation. Die Drüse ist größtenteils involutiert, mit einigen verstreuten Drüsengewebsresten. Man bemerkt einige dystrophische Verkalkungen im linken oberen externen Bereich der Klasse II mit eher benignem Aussehen. Es besteht im internen Bereich der Brust, etwas über Brustwarzenebene, ein kleiner Bereich mit atypisch vermehrter Dichte mit radiologisch zweifelhaften unscharfen Konturen. Diese Läsion misst langachsig 5 mm. Man hat auch den Eindruck einer Verdickung der Milchgänge, die von der Brustwarze in den internen Bereich führen, und insbesondere zu der kleinen atypischen Verdichtung.


Bilaterale echographische Untersuchung

Bilaterale echographische Untersuchung

Rechts keine Läsion beobachtet. Links zeigt die Untersuchung keine verdächtige Fokalläsion. Es wird dagegen ein verdickter Milchgang aufgezeigt, gefüllt mit einem echogenen Material mit unregelmäßigen Konturen, der zum mittleren und oberen internen Bereich führt, mit einer kleinen nicht ganz echotransparenten nodularen Struktur, das einer papillomatösen Bildung entsprechen könnte.


Abstrich

Es wurde ein Abstrich der Absonderung gemacht. Er hat keine atypischen oder dysplastischen Zellen aufgezeigt.


Galaktographie

Galaktographie

In Hinblick auf die relativ eindeutige Absonderung wird eine Galaktographie durchgeführt.
Nach einfachem Auffinden der Öffnung wird diese katheterisiert und ein Kontrastmittel injiziert. Die Injektion verlief ohne weitere Probleme.
Die Galaktographie zeigte einen Milchgang regulärer Größe, wobei dieser mit Gängen 2. und 3. Größenordnung völlig normal verzweigt. An einer Stelle jedoch ist ein Teil des Milchgangs nicht gefüllt, und diese ausbleibende Füllung endet in dem kleinen Bereich der betreffenden Verdichtung. Keine weiteren Veränderungen.


Stereotaktische Mikrobiopsie

Stereotaktische Mikrobiopsie

Kontext
- Die Durchführung einer sofortigen Mikrobiopsie wird vorgeschlagen und von der Patientin akzeptiert.
- Es wird die Sitzposition gewählt, da ein anteroposteriorer Ansatz vorzuziehen ist. Außerdem war die Patientin ruhig mit geringfügigem Synkopenrisiko, da sie die Galaktographie schon sehr gut überstand.
- Keinerlei besonderes Problem während der Durchführung der Untersuchungen noch nach der Biopsie. Es gab kein Hämatom.
- Der vertikale Ansatz wurde nicht gewählt, denn die Läsion war deutlich nach der Galaktographie in der kraniokaudalen Darstellung besser sichtbar als in der lateralen Ansicht. In der lateralen Darstellung war sie zum Teil von dem Kontrastmittel verdeckt.
- Ausführung von 5 Mikrobiopsieentnahmen im Bereich der atypischen Verdichtung, die sich offenbar zum Milchgang hin öffnete. Diese Entnahmen wurden ohne besondere Probleme ausgeführt, abgesehen von einem kleinen Hämatom. Die Biopsie bestätigte das Bestehen eines Papillenkarzinoms.


Zusammenfassung

Die durchgeführte senologische Untersuchung richtete sich folglich hauptsächlich auf eine ductale Pathologie, wie es das Bestehen einer ziemlich eindeutigen Absonderung annehmen ließ.
Die Galaktographie bestätigte das Bestehen eines relativ normalen Milchgangs bis auf das Vorhandensein einer kleinen auf den Milchgang anschließenden Verdichtung im internen oberen und mittleren Bereich, die radiologisch verdächtig erschien. Die Mikrobiopsien, die ausgeführt wurden, bestätigten die Diagnose des Papillenkarzinoms. Es wurde eine Tumorektomie-Chirurgie nach Platzierung eines Hakendrahts ausgeführt.
Bestätigung der Diagnose vor der Operation, d. h. eines Adenokarzinoms intraduktal der Größe II, ein intragalaktes Papillom kolonisierend. Angesichts der Beurteilung der Läsion (8/12) wird die Patientin eine zusätzliche Radiotherapie erhalten.


Anmerkungen

Klinischer Nutzen der Mikrobiopsie

Die Stereotaxie wurde mit diagnostischer Zielsetzung praktiziert, da die Patientin vor der Konsultation immer noch keine präzise Diagnose hatte. Wenn man sie sofort wegen Papillomverdachts operiert hätte, wäre eventuell ein erneuter Eingriff erforderlich gewesen, da die Entfernung nicht so umfangreich gewesen wäre. Außerdem ermöglichte die Diagnose des Papillenkarzinoms vor der Operation in besonderem Maße auf die Leitlymphknoten zu achten. Wenn eine Mikroinvasion des Lymphknotens erkannt worden wäre, hätte ein axillärer Eingriff unmittelbar erfolgen können, mit der Vermeidung einer erneuten Intervention in der Achselhöhle.


Praktischer Nutzen

Die Biopsie dauerte ca. 10 min. Dies bestätigt die auf den verschiedenen Aufnahmen vermerkte Zeit: Erste Stereotaxie-Aufnahme, aufgenommen um 9.17 Uhr, und letzte Aufnahme nach der Biopsie um 9.23 Uhr. Es ist zu bemerken, dass das gesamte Verfahren schnell verlief, da die erste radiologische Aufnahme um 8.52 Uhr, und die letzte Stereotaxie-Aufnahme um 9.23 Uhr erfolgten. Es war demnach eine halbe Stunde für die Ausführung einer Mammographie, einer bilateralen Echographie und einer Biopsie unter Stereotaxie erforderlich.


Nutzen für die Patientin

Die Verwendung eines kombinierten digitalen Mammographie-Systems mit Stereotaxie ermöglichte in einer einzigen Konsultation eine präzise Diagnose dieser Patientin, die zudem anhand des Eingriffs bestätigt wurde. Er war nicht erforderlich, für jeweils die galaktographische und stereotaktische Untersuchung 2 verschiedene Geräte zu verwenden oder mehrere Termine zu vereinbaren. Zeiteinsparung und optimaler Komfort haben die Angst der Patientin minimiert. Und letztendlich hat die extrem präzise diagnostische Untersuchung einen raschen Beginn der Behandlung ermöglicht.